Geographie [Bearbeiten]
Augsburg liegt an den Flüssen Lech und Wertach.
Der älteste Teil der Stadt sowie die südlichen Viertel liegen auf dem
nördlichen Ausläufer einer Hochterrasse, die zwischen dem steilen
Hügelrand von Friedberg im Osten und den hohen Riedeln des westlichen Hügelrandes entstanden ist.
Im Süden erstreckt sich das Lechfeld, eine nacheiszeitliche Schotterebene zwischen den beiden großen Flüssen Lech und Wertach, in der sich seltene Urlandschaften erhalten konnten. Der Augsburger Stadtwald und die Lechtalheiden zählen heute zu den artenreichsten mitteleuropäischen Lebensräumen.
An Augsburg grenzt der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder,
ein großes Waldgebiet. Daneben ist aber auch das Stadtgebiet selbst
stark begrünt, weshalb die Fuggerstadt 1997 den europaweiten Preis als
„Grünste und lebenswerteste Stadt“ erhielt. Die Stadt ist der größte
kommunale Waldbesitzer in Bayern und der drittgrößte in ganz
Deutschland.
Nachbargemeinden [Bearbeiten]
Augsburg wird im Osten vom Landkreis Aichach-Friedberg, im Westen vom gleichnamigen Landkreis Augsburg umgeben. Bedingt durch das in Nord-Süd-Richtung sehr langgestreckte Stadtgebiet grenzen sehr viele Städte und Gemeinden an Augsburger Flur.
Die Agglomeration bilden dabei im Osten beginnend und dem Uhrzeigersinn folgend Friedberg (Landkreis Aichach-Friedberg), Königsbrunn, Stadtbergen, Neusäß und Gersthofen (alle Landkreis Augsburg), die allesamt mit ihrem Siedlungskern direkt an die bebaute Fläche Augsburgs angrenzen.
Daneben grenzen noch die Gemeinden Rehling, Affing, Kissing, Mering und Merching (alle Landkreis Aichach-Friedberg) sowie Bobingen, Gessertshausen und Diedorf (alle Landkreis Augsburg) an die Stadt, wenn man die Aufzählung im Norden beginnt und wiederum dem Uhrzeigersinn folgt.
Stadtgliederung [Bearbeiten]
Planungsräume und Stadtbezirke
Das Stadtgebiet von Augsburg besteht seit 1938 offiziell aus 41 Stadtbezirken, die zusammengefasst 17 Planungsräume
bilden. Die Gesamtfläche der Stadt beträgt 147 km², somit steht sie
flächenmäßig auf Platz 39 der deutschen Großstädte (siehe hierzu: Liste der Großstädte in Deutschland).
Bei den Stadtteilen handelt es sich teilweise um ehemals selbstständige Gemeinden,
die im Laufe diverser Gebietsreformen nach Augsburg eingegliedert
wurden, teilweise aber auch um neue Stadtteile, die als Wohngebiete
gegründet wurden. Einige Stadtteile haben darüber hinaus räumlich
getrennte Siedlungen (Wohnplätze) mit eigenem Namen.
Einige Viertel sind als geographischer Name ein Begriff, tauchen aber in der Bezeichnung der Stadtbezirke nicht auf. So ist die Augsburger Altstadt Teil der heutigen Innenstadt, während das Textilviertel
teilweise in Spickel-Herrenbach, teilweise in der Innenstadt liegt und
so ebenfalls nicht bei den Stadtbezirken Erwähnung findet.
Die ehemaligen Kasernen- und Wohngebiete der US-amerikanischen Armee (siehe hierzu US-Garnison Augsburg), darunter die Reese-Kaserne,
haben nach dem Abzug der letzten amerikanischen Truppen 1998 ihre von
diesen vergebenen Namen behalten. Im Einzelnen sind dies Centerville, Cramerton, Reese, Sheridan, Sullivan Heights und Supply-Center.
Planungsräume Augsburgs
I: Innenstadt | II: Oberhausen | III: Bärenkeller | IV: Firnhaberau | V: Hammerschmiede | VI: Lechhausen | VII: Kriegshaber | VIII: Pfersee | IX: Hochfeld | X: Antonsviertel | XI: Spickel-Herrenbach | XII: Hochzoll | XIII: Haunstetten-Siebenbrunn | XIV: Göggingen | XV: Inningen | XVI: Bergheim | XVII: Universitätsviertel
Gewässer [Bearbeiten]
Augsburg ist eine Dreiflüssestadt: Der Lech ist das größte fließende Gewässer und wird durch den Zufluss der Wertach, die nördlich des Landschaftsschutzgebietes Wolfzahnau einmündet, verbreitert. Der dritte Augsburger Fluss, die Singold, entspringt im Ostallgäu
und mündet in der Stadt in das weit verzweigte künstliche Bach- und
Kanalsystem. Die unzähligen Kanäle – die meisten von ihnen fließen
durch das Lechviertel in der Altstadt – machen Augsburg zu einer Stadt der Brücken: Mit insgesamt 500 Brückenbauwerken übertrifft sie sogar Venedig.
Der Lech am Hochablasswehr
Fluss
Flusslänge
im Stadtgebiet
Lech
19,9 km
Wertach
13,1 km
Singold
6,2 km
29 Lechkanäle
77,7 km
4 Wertachkanäle
11,6 km
19 Bäche
45,6 km
Länge insgesamt
174,1 km
Der Fabrikkanal, in den die Singold mündet, wird in Göggingen von der Wertach abgeleitet und fließt als Wertachkanal, Holz- bzw. Senkelbach nach Norden und gelangt nach der Ballonfabrik Augsburg zurück in die Wertach.
Am Hochablass werden der Hauptstadtbach und der Neubach
vom Lech abgeleitet, die sich nach wenigen hundert Metern wieder
vereinigen, um kurz flussabwärts in den nach Norden fließenden Herrenbach (flussabwärts Proviantbach mit seinen Ab- und Zuleitungen Hanreibach und Fichtelbach) und den nach Westen geleiteten Kaufbach zu gabeln. Der Kaufbach wiederum speist den Schäfflerbach
und die Stadtgräben und Innenstadtkanäle, die sich nach Norden fließend
auf dem Gelände der UPM Kymmene wieder vereinen und als Stadtbach
im westlichen Bereich der Wolfzahnau wieder mit dem Proviantbach
zusammenfließen, um wenige Meter vor der Wertachmündung in den Lech zu
gelangen. Der Mühlbach fließt durch den Stadtteil Pfersee. Der
Brunnenbach, der Reichskanal und der Lochbach (ein Lechkanal)
durchströmen den Stadtwald. Dabei verzweigen sie sich in weitere kleine
Bäche, um sich kurz vor der Innenstadt wieder zu vereinen.
In dem Waldgebiet, das der Lech durchfließt, befinden sich der Kuhsee als regionaler Freizeitmagnet und der kleinere Stempflesee. Im Norden Augsburgs befinden sich der Autobahnsee, der Kaisersee und der Europaweiher am Augsburger Müllberg. Im Süden von Augsburg befinden sich der Wertach-Stausee, der Lautersee und der Ilsesee (Naherholungsgebiet).
Natur und Umwelt [Bearbeiten]
Fliegen-Ragwurz in der Schießplatzheide
Augsburg gehört nach den großflächigen Eingemeindungen der 1970er Jahre mit ungefähr einem Drittel an Grün- und Waldfläche zu den grünsten Großstädten in Deutschland.
Der Augsburger Stadtwald –
mit einer Fläche von etwa 21,5 km² der größte bayerische Auwald –
bildet eine geschlossene Waldfläche im Augsburger Südosten. Das Gebiet
besitzt einen hohen regionalen Stellenwert für den Naturschutz sowie als Naherholungs- und Freizeitgebiet.
Der Südwesten der Stadt wird von Teilen des Naturparks Augsburg-Westliche Wälder bedeckt. Dieser insgesamt 1.175 km² große Naturpark ist der einzige seiner Art in ganz Bayerisch Schwaben. Begrenzt wird er im Norden von der Donau, im Osten von den Abhängen zur Wertach und Schmutter und im Westen von der Mindel. Im Süden dringt er bis an den Rand des Unterallgäus vor.
Augsburg gilt bundesweit als Modellstadt für umweltfreundliche Beleuchtung.[1] Durch Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung im Bereich der öffentlichen Beleuchtung konnte nebenbei der Stromverbrauch und somit der CO2-Ausstoß um 20% gesenkt werden, was zu einer jährlichen Ersparnis von 250.000,- Euro führt.[2]
Klima [Bearbeiten]
Die Stadt Augsburg liegt im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima auf der Ebene des Lechfeldes in leichter Tallage. Weitere wesentliche wetterbestimmende Faktoren sind die Alpen als mitteleuropäische und die Donau als regionale Wetterscheide. Aufgrund dieser Konstellation ist das Wetter relativ wechselhaft.
Klimadiagramm von Augsburg
Die Witterungsperioden variieren zwischen gemäßigten, nicht zu
kalten Wintern und warmen, aber nicht übermäßig heißen Sommern. Große
Schneemengen, welche die Vegetation
über die Frostperioden hinweg schützen, fallen meist erst ab Januar und
halten sich bis Mitte März. Größere Niederschlagsmengen sind im
Frühsommer zu verzeichnen, wobei diese größtenteils durch Westwinde
herangetragen werden. Längere Trockenperioden treten im Hochsommer und
Frühherbst auf.
Der Föhn
bringt das ganze Jahr hindurch aus südlicher Richtung sehr warme und
trockene Luftströmungen ins untere Alpenvorland nach Augsburg. Damit
verbunden ist der berühmte bayerisch-blaue Himmel und eine sehr gute
Fernsicht, so dass auch die Bayerischen und Allgäuer Alpen oftmals sehr deutlich zu sehen sind.
Die Temperatur beträgt im Jahresmittel ca. 8,4 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge ca. 850 mm. Im Zuge des Jahrhundertsommers
2003 wurde eine Temperatur von ca. 38 °C gemessen, was den absoluten
Höhepunkt seit der Temperaturbeobachtung beträgt. Die niedrigste
registrierte Temperatur betrug −27,1 °C.
Augsburg ist durch seine Lage im gewitterintensivsten Bundesland
Bayern des Öfteren von heftigen Unwettern betroffen, welche zu enormen
Lech- und Wertachhochwassern führten. Die schlimmsten Auswirkungen
hatte dies 1999, als ein Stauwehr an der Wertach brach und ganze
Stadtteile unter Wasser standen.
An Herbsttagen ist es in Augsburg sehr häufig neblig, was sich durch
die Lage in der Talebene des Lechs erklären lässt. Daneben nimmt die
Stadt nach München Platz zwei der schneereichsten Großstädte
Deutschlands ein.
Bevölkerung [Bearbeiten]
Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]
Nachdem in Augsburg schon zur Zeit des Römischen Reiches über 12.000 Menschen gelebt hatten[3],
wuchs die Einwohnerzahl in den folgenden Jahrhunderten nur unmerklich
an. Um 1500 war sie mit einer Bevölkerung von etwa 30.000 Menschen nach
Köln und mit Prag eine der größten Städte des Heiligen Römischen Reiches (siehe Liste der größten deutschen Städte).
Mit Beginn der Industrialisierung
im 19. Jahrhundert setzte in Augsburg ein starkes Bevölkerungswachstum
ein. Lebten 1806 etwa 26.000 Menschen in der Stadt, so waren es 1895
schon über 80.000. 1939 hatte sich diese Zahl bereits mehr als
verdoppelt: Zu dieser Zeit lebten 185.000 Menschen in Augsburg.
Im Zweiten Weltkrieg
verlor die Stadt etwa 20 Prozent ihrer Bevölkerung (38.958 Personen),
so dass 1945 146.000 Menschen in Augsburg lebten. Ihren Vorkriegsstand
erreichte die Einwohnerzahl fünf Jahre später, wobei diese rasche
Erholung auch auf eine große Zahl an Flüchtlingen aus ehemaligen
deutschen Gebieten zurückzuführen ist.
Im Jahre 1992 markierte die Bevölkerungszahl von 264.852 den
bisherigen historischen Höchststand. Am 30. Juni 2005 betrug die
„Amtliche Einwohnerzahl“ nach Fortschreibung des Bayerischen
Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung 262.140 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern), wodurch Augsburg auf Platz 25 der größten Städte Deutschlands liegt.
Demographie [Bearbeiten]
Augsburg hatte am 1. Januar 2006 269.449 Einwohner mit Haupt- und
Nebenwohnsitz und 263.804 ohne die Zweitwohnsitze. Im November 2006
waren 14.242 von 138.300 erwerbsfähigen Bürgern der Stadt ohne
Arbeitsplatz, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,3 Prozent.[4] Im Ballungsraum Augsburg, der die direkt angrenzenden Vorstädte mit einschließt, wohnen knapp 500.000 Menschen.
Der Ausländeranteil ist mit 16,7 % (44.895 Bewohner) im
deutschlandweiten Vergleich der Großstädte eher hoch. Die meisten
Bürger nichtdeutscher Herkunft wohnen in den Planungsräumen Oberhausen,
Spickel-Herrenbach, Hochfeld und Lechhausen und kommen vor allem aus
der Türkei, aus Italien, aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Kroatien. Dazu kommen noch weitere knapp 50.000 Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion.
Da sie einen deutschen Pass besitzen, werden sie statistisch nicht als
Ausländer erfasst. Zusammengezählt wohnen in Augsburg etwa
90.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Einen guten Überblick bietet
der interkulturelle Stadtplan „In Augsburg ist die Welt zu Hause“.[5]
Die Altersstruktur in Augsburg liegt im bundesdeutschen
Durchschnitt, wobei 16,0 % (43.213 Personen) der Einwohner mit Haupt-
und Nebenwohnsitz unter 18 Jahre alt sind. 52,2 % (140.592 Personen)
aller Einwohner sind weiblichen, 47,8 % (128.857 Personen) männlichen
Geschlechts.[6]
Religionen [Bearbeiten]
Seit 2001 treffen sich regelmäßig Juden, Christen, Muslime und
Buddhisten in Augsburg zum „Runden Tisch der Religionen“. Menschen
verschiedener Glaubensbekenntnisse
kommen miteinander über ihre Religion, über Spiritualität, Rituale und
die Glaubenspraxis ins Gespräch. Neben den christlichen, jüdischen und
islamischen Gemeinden, die zusammen den Großteil des religiösen Lebens
in Augsburg ausmachen, gibt es noch viele kleine Glaubensgemeinschaften verschiedenster Art. Daneben besteht mit dem Bund für Geistesfreiheit Augsburg seit 1911 auch eine nichtreligiöse Weltanschauungsgemeinschaft.
Christentum [Bearbeiten]
Blick vom Perlachturm nach Süden auf die Kurze Maximilianstraße. Links ist das Rathaus, rechts die Kirche St. Moritz und im Hintergrund die Basilika St. Ulrich und Afra zu sehen.
Augsburg ist Bischofssitz der römisch-katholischen Diözese und Sitz des evangelischen Kirchenkreises Augsburg. Die meisten Einwohner sind katholisch, wodurch der 15. August einen Feiertag darstellt. Zusätzlich besteht – einzigartig in Deutschland – ein eigener gesetzlicher Feiertag, das Hohe Augsburger Friedensfest am 8. August. Damit hat Augsburg mehr gesetzliche Feiertage als jede andere Region oder Stadt in Deutschland.
Augsburg war wohl schon seit dem 4./5. Jahrhundert Sitz eines Bischofs. Um 738 wurde das Bistum Augsburg erneuert. Ab 1518 fand die Lehre Martin Luthers Anhänger in Augsburg. Die Lehre verbreitete sich immer mehr und führte schließlich zur offiziellen Einführung der Reformation durch den Rat der Stadt im Jahre 1534/1537. Es folgte anschließend die Teilnahme der Stadt am Schmalkaldischen Krieg, und 1548 wurde in Augsburg ein Reichstag abgehalten, der die Ausübung der Religion für eine Übergangszeit regelte (Augsburger Interim). Sieben Jahre später (1555) konnte im Augsburger Religionsfrieden
die Gleichstellung beider Konfessionen endgültig erreicht werden. Im
Andenken daran und an die Besuche Luthers in Augsburg ist die Stadt
heute eine der deutschen Lutherstädte.[7]
Die katholische Bevölkerung gehörte danach weiterhin zum Bistum Augsburg, das seinerzeit dem Erzbistum Mainz
zugeordnet war. Nach dem Übergang der Stadt an Bayern verblieb es
zunächst bei der bisherigen Zuordnung. 1821 wurde das Bistum Augsburg
und mit ihm seine Pfarrgemeinden dem neu errichteten Erzbistum München und Freising zugeteilt (siehe hierzu auch Liste der Bischöfe von Augsburg).
Die ev. Kirche St. Jakob
Die protestantischen Gemeindemitglieder erhielten spätestens nach dem Westfälischen Frieden die Kirchen St. Anna, St. Ulrich, Zu den Barfüßern und St. Jakob. Sie unterstanden dem Rat der Stadt. Nach dem Übergang Augsburgs an Bayern wurden die Gemeinden Teil der Protestantischen Kirche des Königreichs Bayern, die zunächst lutherische und reformierte Glaubensgemeinschaften umfasste.
Die Stadt wurde danach Sitz eines eigenen Dekanats, das 1827 zunächst dem Konsistorialbezirk Bayreuth, ab 1876 dann dem Konsistorialbezirk Ansbach und danach ab 1923 dem Kirchenkreis München angehörte. Seit 1971 ist es Teil des Kirchenkreises Augsburg.
Das Dekanat Augsburg umfasst neben den Kirchengemeinden der Stadt auch
Gemeinden außerhalb des Stadtgebiets, vor allem in den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg.
Der Westfälische Friede
von 1648 bestätigte in Augsburg das durch die Stadtverfassung von 1548
eingeführte paritätische Regierungs- und Verwaltungssystem (endgültige
Gleichberechtigung und exakte Ämterverteilung zwischen Katholiken und
Protestanten). Diese Vereinbarung sollte bis zur Mediatisierung im Jahre 1805 Bestand haben.
Die Basilika St. Ulrich und Afra
Freikirchliche Gemeinden haben sich nach dem Ende der Täuferbewegung wieder im 19. beziehungsweise 20. Jahrhundert in Augsburg konstituiert. Den Anfang machten die Mennoniten, die ab 1870 gottesdienstliche Versammlungen in Augsburg abhielten. 1863 erhielt die Evangelisch-methodistische Kirche die Rechte einer „Privatkirchengesellschaft“. Um 1925 nahmen – ausgehend von der Muttergemeinde in München – die Baptisten (heute: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde) ihre Arbeit auf. Seit 1968 gibt es in Augsburg zudem eine Freie evangelische Gemeinde.
Die Verteilung der Konfessionen
zu Anfang des 19. Jahrhunderts betrug etwa 60 % Katholiken und 40 %
Protestanten. Dieses Verhältnis veränderte sich insbesondere durch
Eingliederung von katholischen Vororten zugunsten der Katholiken, so
dass der Anteil der protestantischen Bevölkerung um 1950 nur noch bei
etwa 23 % lag.
Auch die orthodoxen Kirchen Süd- und Osteuropas haben Gemeinden in Augsburg. Die syrisch-orthodoxe Kirche
hat vor Jahren ein eigenes Gotteshaus in Augsburg eingeweiht. Die
ca. 3.000 syrisch-orthodoxen Christen in Augsburg stammen vorwiegend
aus dem Südosten der Türkei (Tur Abdin) und Syrien, sprechen die Sprache Jesu (Aramäisch, Assyrisch, Syrisch) und sehen ihre Wurzeln in Mesopotamien. Zunächst kamen diese Christen als Gastarbeiter nach Europa, dann ab 1980 meist als Asylsuchende, da sie in der Türkei diskriminiert und verfolgt wurden. Die griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde mit über 6.000 Gemeindemitgliedern bekam nach dem Abzug der amerikanischen Truppen die Gospel Church in der ehemaligen Flak-Kaserne zugesprochen und benannte diese nach dem Schutzpatron Agios Panteleimon.
Daneben gibt es eine große Zahl weiterer christlicher Religionsgemeinschaften, zum Beispiel Gemeinden der Altkatholischen Kirche, der Neuapostolischen Kirche oder der Zeugen Jehovas.
Islam [Bearbeiten]
Die Muslime bilden in Augsburg – wie in den meisten Teilen
Deutschlands – die zweitgrößte religiöse Gemeinschaft. In der Stadt
befindet sich eine Vielzahl von Gebets- und Vereinsräumen, die von
unterschiedlichen Gemeinschaften mit jeweils eigenen Zielsetzungen und
Schwerpunkten geführt werden.
Den Hauptanteil der islamischen Bürger machen Einwanderer aus der Türkei in erster bis dritter Generation aus (siehe Demographie). Daneben bestehen aber auch Vereine und dazugehörige Gebetsstätten der arabischen, bosnischen und irakischen Muslime sowie ein alevitisches Kulturzentrum.
Judentum [Bearbeiten]
Synagoge in der Halderstraße
Es ist anzunehmen, dass nach den Jüdischen Aufständen im ersten Jahrhundert und der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer die ersten Juden
nach Augsburg kamen. Aus dem 9. Jahrhundert gibt es urkundliche
Erwähnungen. Auf Beschluss des Stadtrats vom 7. Juli 1438, dass man die
Juden „nit länger hie in der Statt laußen sölle dann von hüt dem tag
über zway Jare“, wurden sie aus der Stadt vertrieben und siedelten sich
vor den Toren der Stadt im heutigen Stadtteil Kriegshaber an.[8]
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Augsburg begann wieder 1803, als die Stadt erstmals drei Juden (die Bankiers Aron Elias Seligmann,
später Freiherr von Eichthal, Jakob Obermayer und Henle Ephraim
Ullmann) gegen eine jährliche Gebühr und eine erhebliche Darlehenssumme
das Bürgerrecht verlieh, obwohl die städtischen Kaufleute dagegen
erheblichen Widerstand geleistet hatten.
Die Zahl der jüdischen Familien stieg anschließend nur schwach (im
Jahr 1840 79 Personen und 1852 128 Personen), da ihre Niederlassung
weiterhin streng gehandhabt wurde. Eine entscheidende Wendung brachte
die Niederlage der konservativen Katholiken bei den Gemeinderatswahlen
von 1857, in deren Folge 1861 die erste Israelitische Kultusgemeinde in
Augsburg gegründet werden konnte. Bis dahin wurde der
Religionsunterricht vom Lehrer des damals noch eigenständigen Vorortes Pfersee erteilt, während das zuständige Rabbinat Kriegshaber war.
Schon drei Jahre vor Genehmigung der Gemeinde durch die Regierung wurde 1858 das Haus Wintergasse A 13 für 13.000 Gulden gekauft und zunächst zu einer reinen Synagoge ausgebaut und später durch Rabbiner- und Lehrerwohnungen erweitert; deren Einweihung erfolgte im April 1865.
Durch diese Entwicklung nahm die jüdische Bevölkerung in der Stadt
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rapide zu, so dass 1895
1.156 Juden in Augsburg lebten. Inzwischen waren schon ein jüdischer
Friedhof (1867) sowie ein reges Vereinsleben (ein Männer-, ein Frauen-
und ein Speiseverein jeweils mit wohltätigen Zwecken) entstanden. Die
jüdischen Industriellen, Bankiers, Handels- und Kaufleute nahmen im
wirtschaftlichen Leben der Stadt eine bedeutende Rolle ein und gehörten
nahezu vollständig der gehobenen Mittel- beziehungsweise Oberschicht an.
Schon zu dieser Zeit forderten immer mehr Gemeindemitglieder den Bau einer neuen Synagoge,
der zudem durch das Drängen der Stadt nötig wurde: Das alte Gebäude
befand sich in einem maroden Zustand. So wurde 1903 ein Gartengut an
der Halderstraße erworben, für das 1912 ein
Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde. In den Jahren 1914 bis 1917
wurden schließlich die Pläne von Fritz Landauer und Dr. Heinrich Lömpel
verwirklicht.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten
1933 litten auch die Augsburger Juden mehr und mehr unter Repressalien:
Innerhalb von fünf Jahren wurden nahezu alle jüdischen Firmen
geschlossen oder „arisiert“.
Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Unterdrückung der Juden in der später so genannten Reichspogromnacht, am frühen Morgen des 10. November 1938: Etwa 30 NSDAP-Mitglieder
zerstörten die Inneneinrichtung der Synagoge und legten Feuer, das
allerdings wegen der umliegenden Wohn- und Kommunalbauten sowie einer
Tankstelle wieder gelöscht wurde, so dass das Gebäude an sich erhalten
blieb und während des Zweiten Weltkrieges als Kulissenlager des
Stadttheaters zweckentfremdet wurde. Auf der Kuppel der Synagoge wurde
ein Beobachtungsstand der Flugabwehrartillerie eingerichtet.
Obwohl seit 1933 viele Juden ausgewandert waren, war deren Zahl in
der Stadt durch Zuzug jüdischer Bürger aus ländlichen Gemeinden nicht
stark gesunken, so dass in sieben Transporten nach Auschwitz, Piaski, Riga und Theresienstadt 356 bis 450 Gemeindemitglieder deportiert wurden. Nur wenige überlebten die Schrecken der Konzentrationslager.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrten nur wenige ehemalige Augsburger Juden zurück in die Stadt, unter ihnen Ludwig Dreifuß, der von der amerikanischen Militärregierung zum ersten Nachkriegsbürgermeister ernannt wurde. 1946 wurde die Jüdische Kultusgemeinde
Augsburg-Schwaben gegründet, die über eine sehr lange Zeit nicht viel
Zuwachs erfuhr: 1987 hatte sie 247 Mitglieder. Nach dem Fall des
Eisernen Vorhangs 1990 änderte sich dies durch den Zuzug zahlreicher Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion rapide, so dass die Gemeinde – die allerdings für ganz Schwaben zuständig ist – heute etwa 1.800 Personen umfasst.[9]
Buddhismus [Bearbeiten]
Mit der Gründung des Vereins Wat Buddha Augsburg (ca. 130 Mitglieder) wurde 2002 im Stadtteil Göggingen ein Tempel eingerichtet, der hauptsächlich von Migranten aus Thailand benutzt wird. Jeden ersten Sonntag im Monat wird die Zeremonie aus dem Tempel Maha Dhamma Kaya Cetiya in der Nähe von Bangkok via Internet übertragen. Zu diesem Termin reisen auch Gläubige von außerhalb an.